Die Angedacht!-Manuskripte vom 8. bis 14. März 2026

Autor: Stefan Weinert, Trier


Thema: Fasten ist Kurskorrektur

Sonntag, 8. März 2026, 6:40 Uhr

Wir sind mitten in der Fastenzeit, der Vorbereitungszeit auf Ostern. Aber - was ist das eigentlich: fasten? Die christliche Fastenzeit ist jedenfalls schon mal keine Diätkur. Und auf gar keinen Fall geht’s darum, dass Ihr Euch beim Fasten irgendwie piesacken sollt, um den lieben Gott wohlgefällig zu stimmen. Nein. Fastenzeit heißt, einen ehrlichen Blick aufs eigene Leben zu werfen. Fastenzeit ist Gelegenheit, Euren Kurs neu zu orientieren an den Koordinaten, die Gottes Wort, die Bibel, die Botschaft Jesu vorschlagen. Dabei auf das eine oder andere zu verzichten, das kann Euch helfen, mal beiseitezuschieben, was Euch von diesem Vorhaben ablenkt. Fasten hilft, Euch aufs Wesentliche zu konzentrieren: auf Gott und den Nächsten. Denn Liebe zu Gott und Liebe, Respekt, Solidarität zu den Mitmenschen - die gehören zusammen, wie Jesus sagt, sind gleich wichtig. Und deshalb kann Fasten auch bedeuten: Häufiger mal Zeit nehmen für ein Gebet; endlich den Krach mit dem Kollegen, der Kollegin beilegen; oder mehr Produkte aus dem fairen Handel kaufen - Stichwort Solidarität. Und das alles dann gerne auch weiter nach der Fastenzeit.


Thema: Im Hause Gottes sind viele Wohnungen

Montag, 9. März 2026, 6:40 Uhr

Juri Gagarin war für viele ein Held – damals, in der Sowjetunion. Immerhin war er der erste Mensch im Weltraum, 1961. Heute wäre Gagarins Geburtstag, der 92.  – doch schon 1968 ist er ums Leben gekommen, da war er Mitte dreißig. Ob er nach seinem Tod – Gott gesehen hat? „Ich bin in den Weltraum geflogen, aber Gott habe ich dort nicht gesehen“, soll Gagarin nach seinem Raumflug gesagt haben. Als wäre Gott wirklich der alte Mann mit weißem Bart, der irgendwo oben im Himmel gleich Weltraum sitzt, auf goldenem Thron oder so. Aber - wer ist das dann, Gott? Die Bibel bietet Antworten auf diese Frage an. Und eine Überzeugung zieht sich da wie ein roter Faden durch: Gott liebt die Menschen – vor allem die, denen es dreckig geht, Arme, Ausgebeutete, Kranke, Looser. Gott ist barmherzig, sagt Jesus von Nazareth, er hat sozusagen ein großes Herz für uns Menschen, ein ganz großes. Und: Im Hause Gottes sind viele Wohnungen, wie Jesus sagt. Bei ihm ist Platz für viele, vielleicht für alle. Wohl auch für die Zweifler wie Juri Gagarin. Und wer ist Gott für Euch? Und glaubt Ihr – er hat auch Platz für Euch?


Thema: Schnäppchen-Fasten: gut für Euch und andere

Dienstag, 10. März 2026, 5:40 Uhr

SonderSchnäppchenPreis! SuperPrämie! TopAngebot! Dröhnt Euch manchmal auch der Kopf von den vielen SuperSchnäppchenAngeboten? Überall noch den letzten Euro rauszupressen, das kann zum Stress werden. Falls Ihr Euer Ding für diese Fastenzeit noch nicht gefunden habt: Wie wär’s denn mit Schnäppchen-Fasten? Klingt vielleicht komisch, hat aber eine Menge damit zu tun, wie Fasten gemeint ist. Denn in der Fastenzeit geht es darum, das eigene Leben in den Blick zu nehmen und ehrlich Bilanz zu ziehen: Was läuft gut? Was ist so lala? Was läuft richtig verkehrt? Und das sozusagen aus der Perspektive Gottes, und das bedeutet immer auch mit Blick auf die Anderen. Und wie ist das bei den Schnäppchen? Irgendjemand muss doch dafür bluten, oder? Kaffeebauern, die ihre Ernte für’n Appel und’n Ei verkaufen müssen. Frauen in China, die an 12-Stunden-Tagen für Hungerlöhne billige T-Shirts zusammennähen. Und so weiter. Fasten heißt auch, so die Bibel: die Fesseln des Unrechts zu lösen, für Hungrige und Obdachlose zu sorgen. Und das kann eben auch bedeuten, mal nicht auf Schnäppchenjagd zu gehen. Auf welche Schnäppchen könntet Ihr verzichten?


Thema: Unser tägliches Brot gib uns heute

Mittwoch, 11. März 2026, 5:40 Uhr

„Unser tägliches Brot gib’ uns heute.“ Den Satz kennt Ihr? Das ist eine Bitte an Gott. Sie stammt aus dem Vaterunser, dem wichtigsten Gebet der Christinnen und Christen. Das tägliche Brot steht für alles, was lebensnotwendig ist. Brot, etwas zum Essen, ist dabei ganz besonders wichtig. Wenn Brot knapp ist, kann man es teilen, dann reicht es für mehr Leute. Die Bibel erzählt davon in der Geschichte von den fünf Broten und zwei Fischen, die für viele Leute reichen – eben weil sie geteilt werden. Brot zu teilen - dieser Gedanke steckt auch hinter der Aktion „Solibrot“ des katholischen Hilfswerks Misereor jetzt in der Fastenzeit. Manche Bäckereien bieten Solibrot an; ein Teil des Verkaufspreises geht dann an Misereor-Projekte, zum Beispiel für Berufsausbildung für junge Leute in Kamerun oder Kleinbäuerinnen, Kleinbauern in den bolivianischen Anden. Auch da geht’s um das „tägliche Brot“. Ihr habt alles, was Ihr zum Leben braucht? Gut so! Dann überlegt doch mal, wie Ihr mithelfen könnt, dass auch andere ihr „tägliches Brot“ haben. Ideen, wem und wie Ihr helfen könnt, gibt’s beim Hilfswerk Misereor – im Netz auf misereor de.


Thema: Gott gibt’s ohne Eintrittskarte und Mitgliedsbeitrag

Donnerstag, 12. März 2026, 5:40 Uhr

Wenn Ihr mal in eine Kirche geht – wollt Ihr dann am Eingang erst eine Eintrittskarte kaufen müssen? Ab dem Sommer kann Euch das im Kölner Dom passieren; denn für bestimmt Bereiche im Dom müsst Ihr dann Eintritt bezahlen. Weil es halt unheimlich teuer ist, diese Riesen-Kirche zu unterhalten. Aber, ganz wichtig: Bezahlen müsst Ihr nur, wenn Ihr als Touristin oder Tourist kommt. So, wie in einem Museum quasi. Wenn Ihr im Kölner Dom einen Gottesdienst besuchen wollt; wenn Ihr beten wollt; oder einfach nur Ruhe und Stille sucht – das geht nach wie vor gratis. Denn Gott gibt’s grundsätzlich zum Nulltarif. Kirchensteuer? Nee, das ist eine andere Geschichte. Gott ist kostenlos für Euch da, ohne Eintrittskarte, ohne Mitgliedsbeitrag. Und das 24/7. Ob Ihr alleine zu ihm kommen wollt; ob Ihr zusammen mit anderen einen Gottesdienst feiert; oder vielleicht zu einer Auto- oder Fahrradsegnung kommt, um Euch Gottes Segen zusprechen zu lassen für alle Eure Wege – alles gratis. Und für ein Gebet müsst Ihr nicht einmal in eine Kirche kommen – beten geht überall und zu jeder Zeit. Gott ist für Euch da, bedingungs- und kostenlos, rund um die Uhr. Könnte dieses Angebot Gottes auch was für Euch sein? Warum? Oder warum eher nicht?


Thema: Misereor-Fastenaktion: Hier fängt Zukunft an

Freitag, 13. März 2026, 5:40 Uhr

„Hier fängt Zukunft an“ – steht auf den Plakaten von Misereor für die Misereor-Fastenaktion jetzt in der Fastenzeit; Misereor, das katholische Hilfswerk für die Menschen im Globalen Süden. Hier fängt Zukunft an? Auf dem Plakat seht Ihr Silas aus Kamerun vor einem Tisch mit Computer-Platinen. Denn Silas ist Technik-Azubi. Mit einem offenen Lächeln schaut er in die Kamera. Künstlicher Zweckoptimismus? Nein, Misereor knüpft da an echte Geschichten von jungen Leuten in Kamerun in Westafrika an. Dort ist die Arbeitslosigkeit hoch, und für die Jungen ist es schwer, eine berufliche Ausbildung zu machen - dafür müssen sie nämlich richtig viel bezahlen. Deshalb bekommen sie Hilfe von der Caritas in Kamerun, die den Azubis finanziell unter die Arme greift und ihnen auch hilft, sich zu vernetzen. Die Caritas wiederum bekommt dafür Geld von Misereor. Und so fängt Zukunft an für die junge Generation in Kamerun; und damit auch für das ganze Land – denn Fachkräfte bringen die Wirtschaft nach vorne. Das könnt Ihr Euch alles anschauen im Netz auf misereor de. Die Welt wird immer schlechter, heißt es immer? Kommt drauf an, auch auf Euch. „Hier fängt Zukunft an“ – welche und wessen Zukunft unterstützt Ihr?


Thema: Heiligt der Zweck die Mittel?

Samstag, 14. März 2026, 6:20 h

Was meint Ihr – hatten die USA und Israel das Recht, den Iran zu attackieren? Oder hatten sie kein Recht dazu? Oder so ein bisschen Recht? Denn es gibt im Völkerrecht Regeln für den Krieg, die von den Vereinten Nationen überwacht werden sollen. Krieg ist nur erlaubt als Verteidigung gegen einen aktuellen oder kurz bevorstehenden Angriff. Viele Fachleute finden, dass die USA und Israel deshalb gegen das Völkerrecht verstoßen. Auf der anderen Seite wünschen sich viele Menschen im Iran und Iraner im Exil, dass das Terrorregime der Mullahs endlich ein Ende findet. Der Zweck – also das Ende der Mullah-Herrschaft – heiligt die Mittel – also den Krieg -, heißt es dann. Und hat nicht auch Jesus von Nazareth gesagt, dass Regeln, Gesetze für die Menschen da sind – und dass es darum auch mal notwendig sein kann, gegen Regeln zu verstoßen, wenn das besser ist für die Menschen? Aber – wer entscheidet das? Recht und Gesetz sollen ja verhindern, dass das Recht des Stärkeren gilt, sollen Faustrecht und Selbstjustiz verhindern. Was meint ihr – gibt es Situationen, wo der Zweck die Mittel heiligt? Welche wären das für Euch, zum Beispiel?